Gedanken zur Alpinen Weltmusik
Alpine Weltmusik?
Alpentöne - Internationales Musikfestival
Neue Volksmusik
Die Zeitschrift Folker! über Alpine Weltmusik
Alpine Weltmusik?
(Von Thomi Erb, Band
"THOMI'S ERBEN")
"Wieso Alpine Weltmusik?" werde ich oft gefragt. Seit meiner Kindheit kenne ich die sogenannte traditionelle Schweizer Volksmusik und lernte unterscheiden zwischen den verschiedenen Arten, z.B. appenzeller Stil, berner, bündner und innerschweizer Stil. Im Laufe der Zeit traf ich viele Musiker, die danach strebten, genauso zu spielen wie ihre Vorbilder. Doch vermisste ich ihre eigene Identität. Ich begann mich ernsthaft mit der Tradition auseinander zu setzen und fragte mich: Wann begann die traditionelle Musik? Eine erste Antwort lautet: Die Tradition begann mit der Entstehung der Menschheit und entwickelt sich fortlaufend!
Früher wurde mit denjenigen Instrumenten gespielt, die vorhanden waren. Zusammen mit diversen Blasinstrumenten war die Geige einst eines der am häufigsten gespielten Instrumente im Alpenraum. In der Appenzeller Volkmusik ist sie auch heute noch unentbehrlich. Das Schwyzerörgeli und das Akkordeon haben die Volksmusik entscheidend geprägt, weil sie vielseitig einsetzbar sind - sie haben gleichzeitig sowohl melodieführende als auch begleitende Funktionen.
Zu den ersten Musikgruppen, die mich aufhorchen liessen, gehörten die "Bossbuebe", bekannt geworden mit der Melodie "Träumli". Sie spielten die Volksmusik u.a. mit Gitarre und liessen Jazz- und Swing-Elemente einfliessen. Auf einigen Aufnahmen sind sie sogar mit Schlagzeug und Bläsersatz zu hören, für mich damals hochmodern. Oder die "Bärnbieter Spiellüt": Sie interpretierten ihre Musik mit Hackbrett, Violine, Schwyzerörgeli, Gitarre und Bass, und pflegten ein Repertoire jenseits von regionalen oder stilistischen Grenzen.
So begann ich, Musik aus verschiedenen Teilen der Alpen zu spielen, fernab sogenannter traditioneller Besetzung. Gleichzeitg hörte (und z.T. spielte) ich Musik aus anderen Bereichen wie z.B. Folk aus ganz Europa, Rock, Blues, Jazz, Funk, Klezmer, Musette, Tango, Musik der Fahrenden. Diese Vielfalt widerspiegelt sich in meinen Kompositionen - weltoffene Musik aus dem ganzen Alpenraum - Alpine Weltmusik. Modern interpretiert statt konserviert, und Arrangements nicht als Korsett, sondern mit Freiräumen für spontane Improvisationen.
Im Alpenraum (Schweiz, Deutschland, Oesterreich, Frankreich, Italien) gibt es zunehmend mehr Bands, die die Volksmusik beleben und weiterentwickeln. Wichtig scheint mir, dass sich die Musiker ihrer Wurzeln bewusst sind und ihre Identität musikalisch auszudrücken verstehen, seien es Eigenkompositionen oder Interpretationen.